Klangszene Plus

Die neue Veranstaltungsreihe des FMD
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Das Theater Basel zeigt im ersten Halbjahr 2015 zwei Produktionen mit schillernden barocken HeldInnenfiguren: Charpentiers «Médée» und Vivaldis «Juditha triumphans». Das FMD nimmt dies zum Anlass und startet mit «Médée und Juditha in Basel – HeldInnen damals und heute» seine neue Veranstaltungsreihe.

(CF)  Archetypische Frauenfiguren dienten in ihrer mehrere tausend Jahre währenden Geschichte immer wieder als Vorbild für gegenwärtige Geschlechterrollenbilder – bis in die jüngste Vergangenheit und Gegenwart hinein. Dabei wurde in den Neuinszenierungen in Bild, Ton und auf der Bühne die soziale Bedeutung der HeldInnen fortlaufend aktualisiert. Neue Facetten der vielschichten Charaktere kamen zum Tragen, die zwischen Vorbildfunktion und abschreckender Grenzüberschreitung changieren – wie beispielsweise im Falle der Mörderinnen Medea und Judith.
Seit den späten 1970er Jahren liess sich beobachten, wie barocke Heldinnen und Helden gerade im deutschsprachigen Raum zunehmend anziehender für die Opernspielpläne und weite Publikumskreise wurden. Auch hinsichtlich der Geschlechterrollenbilder rückte diese Tendenz in den Fokus: Die im Vergleich zum Standardrepertoire des 19. Jahrhunderts flexibleren Geschlechtergrenzen der Stimmfächer mit hohe Heldenstimmen und zahlreichen stimmlich, dramaturgisch und szenisch übermächtig präsente Heldinnen überschnitten sich mit dem breiter aufgefächerten Verständnis von Gender-Rollen des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts.

Den Medea-Mythos aktualisieren
Die Produktionen von Marc-Antoine Charpentiers «Médée» und Antonio Vivaldis «Juditha triumphans»am Theater Basel nimmt das FMD zum Anlass mit seiner neuen Veranstaltungsreihe «Klangszene plus» die beiden HeldInnen für das Hier und Jetzt im Basel des Jahres 2015 aus verschiedenen Blickwinkeln zu aktualisieren: Médée und Juditha betören mit Magie, Stärke, Machtbewusstsein und Grausamkeit und natürlich besonderer klanglicher und szenischer Präsenz. «Klangszene plus» macht diese Eigenschaften in der Gegenwart präsent, setzt sie in Beziehung zu Geschlechterrollenbildern und verortet sie: Mit einer Einführung im Antikenmuseum, wo sich mit dem Medea Sarkophag (um 190 n. Chr.) eine der bedeutendsten antiken bildlichen Aktualisierungen des Medea-Mythos befindet. Und mit einer Veranstaltung im Vortragssaal des pharmaziehistorischen Instituts Basel, bei der - angeregt durch Medeas magische Kräfte - die wichtige Rolle von Frauen als Kennerinnen der Kräuterheilkunde und Hüterinnen übernatürlichen Wissens beleuchtet wird. Auch ein Blick auf das Drama Judith von Sixtus Birck, das 1534 in der Aula der damaligen Basler Lateinschule, dem heutigen Münstergymnasium, uraufgeführt wurde, verdeutlicht die Bedeutung dieser HeldInnenaktualisierungen in der Stadtgeschichte auf besondere Weise.

Das Judith-Thema in der Pop-Musik
Die vielfältigen Aktualisierungen der HeldInnen werden von Expertinnen im Rahmen von Vorträgen aufgefächert: Einerseits übernimmt das FMD Werkeinführungen zu Vorstellungen im Theater Basel und ermöglicht dem dortigen Publikum die Betrachtung der Produktionen aus Genderperspektive. Andererseits werden in Zusatzveranstaltungen weitere Aspekte der HeldInnen-Aktualisierungen vermittelt: Mit Einführungen u.a. zur hohen Stimmkultur barocker OpernheldInnen, zu Medea als Kindsmörderin in antiken Quellen, zum Zusammenhang von heldenhaften Frauen und magischen Künsten bis in die Gegenwart hinein sowie zu einer aktuellen Aneignung des Judith-Themas in der deutschen Pop-Musik vermitteln die Expertinnen ein vielschichtiges Bild dieser Frauenfiguren. Damit trägt das FMD – so das Ziel der neuen Reihe – nicht nur Geschlechterperspektiven in das Musikleben der grossen kulturellen Institutionen. Sondern verdeutlicht auch die massgebliche Wirkung des musikalischen Repertoires und des Kanons der aufgeführten Stücke auf die verschiedensten Geschlechterrollen und –konstellationen der Gegenwart.
Das FMD dankt dem Theater Basel (Oper und Ballett), dem Antikenmuseum Basel und dem Pharmazie-Historischen Museum Basel für die Unterstützung. Prof. Dr. Jannina Klassen von der Musikhochschule Freiburg, die u.a. in einer Lehrveranstaltung zum Thema mit ihren Studierenden Texte für ein Programmheft zu „Klangszene plus“ erarbeitet, sei an dieser Stelle ebenfalls herzlich gedankt.

Terminkalender Klangszene Plus

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